So moin allerseits,
herzlich willkommen zurück von den Regenspielen Tannkosh 2010. Es war etwas aussergewöhnlich dieses Jahr. Der Termin wurde von seinem traditionellen Platz Ende Juli verschoben auf Ende August. Begründung: weil die letzten Tannkosh Events im Wahrsten Sinne des Wortes abgesoffen sind, wollte man den Termin auf Ende August verlegen, weil das Wetter da besser sei. Naja, soweit zum Thema Statistik.
Am Donnerstag malte ich im Büro noch Striche in Landkarten (ja, sowas mache ich trotz FlymapL immer noch) als das Telefon klingelte. Mein alter Verein in Rotenburg/Wümme heulte rum, dass man nicht fliegen könne, weil nämlich in 200ft schon Wolken hingen. Ok, warum man das jetzt mit nem Flugzeug ausprobieren musste, wo man es sehen konnte und der Wetterfrosch dasselbe sagte, das werde ich wohl nie erfahren, aber egal. Zwei Stunden später ist die Bremer Fraktion also mit 10 Mann in die Autos gestiegen und losgefahren. Ich bin ins Fliegerle eingestiegen.
Die nagelneue D-MCGX ist einfach ne Wucht. Cruiser Ausstattung, dunkelrot, Sonnenblenden, die neue Scheibenbelüftung und die neue Heizung, Neuform Prop und ein unscheinbares schwarzes Kästchen unter dem HS34, da steht AP74 drauf.
Nagut, los geht's. Die Route war folgendermassen geplant. Von Pasewalk östlich an Berlin vorbei, runter bis zur Cargolifterhalle, dann rechts nach Westen abbiegen, an Leipzig vorbei und nach Weimar zu unserem Service Center zum Tanken. Dort wollte ich dann nochmal ins Wetter schauen, ob so ein Zick-Zack Kurs weiter nötig wäre, oder ob es dann direct gehen könnte. Wer sich das Wetter nochmal vergegenwärtigen möchte: Die obligatorische Tannkosh-Front stand nicht Stuttgart-Ulm-München. Nein, es war ein ausgewachsenes Tiefdruckgebiet mit Starkregen im Raum Münsterland, erstreckend vom Rheinland, Münster, Hannover, Magdeburg, Berlin. Breite: etwa 50...100km. Bescheuert bei so ner Wetterlage überhaupt loszufliegen? Vielleicht, aber im Osten schien sich eine kleine Lücke zu halten.
Ok, gutes Flugwetter ist was anderes, aber eine Ceiling von 1000...1500ft bei Sichten um 5...10km waren ok. Über Strausberg hab ich dann den Autofahrern per SMS gemeldet, dass alles gut aussieht. Hätte ich nicht machen sollen: 10min später war dann das Ende der Fahnenstange erreicht. Und wenn ich Ende sage, dann meine ich das auch so: 200ft Ceiling und aus den Wäldern aufsteigende Feuchtigkeit, dazwischen Regen mit Sichten von wohlwollenden 2km. Garniert das Ganze mit eingeschaltetem Transponder und der Entschluss in Strausberg zu landen war wohl nicht der schlechteste. Eine Stunde später hab ich es dann nochmal probiert, diesmal ohne XPDR. Gleiches Wetter, gleicher Entschluss, ab nach Hause. Das was es dann für den Donnerstag.
Am Freitag war dann komplett Land unter. Wer mein Büro hier in Pasewalk kennt, der weiss, dass wenn ich den Kirchturm von unserer Großstadt nicht mehr sehen kann, man mit dem Fliegen aufhören sollte. Man konnte das Ende des Flugplatzes nicht mal sehen...
Samstag. Wow! Geiles Wetter!!!!! Kaffee schnasseln, tanken und los. Beim Kaffee neues Routing gemacht: Pasewalk, dann westlich an Berlin vorbei, durch Leipzig durch, an Hof vorbei und in Kulmbach landen zum Tanken. Dann mit neuem Sprit (in EDMT kann man schonmal ne halbe Stunde und länger im Holding fliegen) durch Nürnberg durch und dann auf die Geheiligte Piste in EDMT. Auf geht's. An der Firma treffe ich noch die zwei Rheinländer, die unsere ehemalige Vorführmaschine D-MRGX übernehmen wollten und sich auf den Weg nach Kückhoven machen wollten. Die hatten bestimmt auch nen schönen Flug.
Aus Pasewalk ging es dann in sportlichen 1000ft aber geilsten Sichten Richtung Berlin. Ich habs dann mal kurz über den Wolken versucht, aber da wäre ich dann mit dem Luftraum Charlie in Berlin nicht mehr klar gekommen. Für ne Clearance wollte ich bei den kaum einsehbaren Wolken nicht fragen und drumrum fliegen kostet Zeit. Und wozu auch Umwege fliegen, wenn man direct in niedrigerer Höhe fliegen kann. Die Reste der Front waren schnell unterflogen und hinter Berlin wurde das Wetter immer besser. In Leipzig freute man sich über jeden der vorbei kam, so wenig war da los. Über dem Frankenwald hing noch der eine oder andere Schauer. Egal, mittendurch und schon war ich in Kulmbach. Knapp zwei Stunden bis hier. Nicht schlecht für 20...25kt Wind aus 260 bei einem Kurs von ziemlich genau Süd!
Nach dem Tankstop (Rekord! 20min. incl. Tanken, bezahlen, Wetter und pinkeln) ging es durch CTR Nürnberg und dann war ich auch schon in Tannheim. Ne gute Stunde bis dahin und pünktlich zur Airshow. Was für ein "super" Timing. Also erstmal Kreise fliegen. Nur gut, dass ich getankt hatte. Nach fast ner Dreiviertelstunde durfte ich auf den Heligen Rasen. Die Bremer Jungens haben mich landen gesehen und konnten es kaum glauben, dass ich es gepackt habe. Zum Parken verfrachtete man mich in die absolut hinterste Ecke. Es war erstaunlich viel los. Ganz Süddeutschland war ja auch problemlos hergekommen. 1000 Flugzeuge dürften es bestimmt gewesen sein.
Mit dem Line Taxi zum Check-In, dann zum Zeltplatz und schnell bei einem Bierchen das Zelt aufgebaut. Es ist jetzt 16.30, um kurz nach elf bin ich in Pasewalk losgeflogen. Guter Schnitt, da kann man nicht nörgeln. Aber jetzt will ich Party. Das sollte kein Problem darstellen. Am ersten Bierstand werde ich schon von der Bagage abgefangen. Wunderbar. Man trifft Bekannte, Freunde, Zulieferer, Kumpels, ehemalige Nachtbegleitungen von Vereinskumpels, die Jungens und Mädels von den Zeitschriften, Kollegen von anderen Herstellern, einfach super. Recht zügig ist es schon so weit - Rock im Hangar. Dieses Jahr gab es eine neue Band. Hoffentlich gibt es nächstes Jahr wieder die von den Jahren zuvor!!!! Die Band hat um 03.30 aufgehört zu spielen, um 04.00 gab es nix mehr von der Cocktailbar. Ich bin dann in mein Zelt gegangen. Nanu, was ist das? Es regnet gar nicht?!??! Keine Schlammwüste??? Wow.
Der nächste Morgen. Muss ich was sagen? Gut.
Wetterbriefing. Naja, geht so. Das Wetter war bis zum Frankenwald als Oskar eingestuft, danach durchgehend Delta-1. Aber reichlich Schauer. Dazu ein strammer Wind aus Südwestlichen Richtungen. Tankcheck: 3:15 bis nach Hause. Ok, wenn keine Pinkelpause fällig wird, geht das Nonstop. Soweit so gut, aber da gab es reichlich Gewitterwarnung auf der Strecke. Ich hab dann den EeePC mit seinem Internet-Stick in den rechten Fussraum gepackt, in erwarteten 1000...2000ft GND sollte es ja wohl Netzabdeckung geben.
Take-off war dann um kurz vor eins. Die Strecke war identisch zu der am Tag vorher. Also erst mal durch Nürnberg durch, dann über den Frankenwald, Kulmbach, Richtung Leipzig. Den einen oder anderen Schauer hab ich dann links und rechts meiner Strecke beobachten dürfen, aber die Blitzkarte vom DWD konnte mich beruhigen. Östlich von Leipzig stand ein blitzender Bello, aber da musste ich ja nicht hin. Am südwestlich Zipfel von Berlin warnte mich Bremen-FIS dann aber ziemlich nachdrücklich: Gewitter im Raum Brandenburg Potsdam (genau auf meiner Strecke), auch nördlich von Berlin (da muss ich auch durch) und zu guter Letzt kommt von Westen eine Unwetterfront an, die schon in Lübeck sei (da bin ich aber schneller). Ich hab mich dann entschlossen, erstmal in Schönhagen runter zu gehen, stellte dann aber schnell fest, dass Strausberg (im Osten von Berlin) auch noch erreichbar war. Also quer durch die CTR Schönefeld nach Strausi. Abgestellt, reingegangen, und es schüttete aus Eimern. Die schwarze Wand, die ich im Anflug gesehen hatte war wohl näher und schneller als gedacht. So, nun sitz ich hier in Strausi, ne halbe Stunde vor zu Hause und soll da Fliegerle stehen lassen? ICH HAB NOCH NIE EIN FLUGZEUG STEHEN GELASSEN UND BIN MIT DEM ZUG GEFAHREN!!!! Wetter gucken. Ooooch, alles halb so wild, der dicke Bello ist gerade über uns drüber gezogen und hat sich auf Südostkurs begeben. Auf halben Wegen steht noch so ein Ding, macht aber dasselbe. Und die Unwetterfront? Weit weg. Ergo: Gase rein und ab nach Hause.
Gelandet, Halle auf, Flieger rein, Auto hinterher und: es geht los mit Regen. Aber ich war ja zu Hause. Flugzeit knapp über dreieinhab Stunden incl. meinem Berlin-Rundflug. Und das bei Wetter, wo ich früher immer gesagt habe, dass das VFR gar nicht geht. Doch das geht. Mit sorgfältiger Vorbereitung, guter Ausrüstung, FIS und der nötigen Umsicht. Kein Get-Home Syndrom an den Tag legen und lieber einen Flugplatz vorher anfliegen. Und nötigenfalls den Mut zu haben, den Flug auch zu canceln.
Es werden jetzt sicher einige Leute die Frage stellen, ob ich noch ganz dicht bin, blos für eine Partynacht quer durch Deutschland (674km pro Richtung) zu fliegen. Die Antwort ist uneingeschränkt JA! Fliegen ist es einfach. Es gibt nur eine Sache, die noch besser ist. Ich liebe Fliegen, je länger, desto besser. Und dann auch noch nach Tannheim, mit Kumpels Party machen, hunderte Deppen treffen, die genauso ticken wie ich! Da kann man nur sagen, dass es ein irrsinnig geiles Wochenende war.
Auf Wiedersehen bei Tannkosh 2011.
Colonel Christian "BigMAC" Majunke